Heute bin ich etwas später losgegangen. Die Etappe war etwas kürzer und da ich am Abend wild campen wollte, wollte ich auch nicht zu früh am Ziel sein.
Als erstes ging es wieder auf die Schnellstraße, um den Dornoch Firth zu queren. Es wäre jedoch schön, wenn beim Bau der Brücken das Vorhandensein von Fußgängern und Radfahrern nicht komplett ignoriert würde. Das ist immer unangenehm. Ich kann mich auch immer noch nicht an das Linksfahren gewöhnen. Wenn hinter mir ein Fahrradfahrer klingelt, muss ich erstmal überlegen, auf welcher Seite ich Platz machen muss.
Auf der anderen Seite ging es dann glücklicherweise auf einem Feldweg weiter, der dann in eine kleine Straße mündete, auf der ich Dornoch erreichte. Dort erst einmal den Lebensmittelmarkt gestürmt und mir einen Salat, einen Joghurt und eine Milch gekauft. Um genauer zu sein 568 ml Milch, also 1 pint. Diese Einheiten machen einen wirklich verrückt. Die Wegweiser sind meist in Meilen beschriftet. Macht als Wanderer schon einen Unterschied, ob es noch 8 km sind oder 8 mi, also das 1,6-fache. Gut, dass es keine skandinavischen Meilen sind (1 mi = 10 km).
Aber weiter zu Dornoch: Es ist eine nette kleine Stadt mit einer alten Kathedrale, in die ich leider nicht reinkam, und typisch britischen Häusern. Das alles ist an einen riesigen Golfplatz angeschlossen. Diesen muss man auf dem Trail queren.
Leider gibt es gerade Bauarbeiten, so dass der Weg und der Abschlagbereich sich kreuzen. Ich habe eine Weile abgewartet und als dann ein paar andere den Abschlag gequert haben, bin ich hinterher. Später überholte mich ein Mann in einen Golfcar und erklärte mir, wann ich wo warten müsste, um die Chance zu verringern, einen Querschläger an Kopf zu kriegen. Eigentlich sollte der Weg nicht getroffen werden, aber das passiert schon manchmal.
Nach dem Golfplatz ging es weiter nordwärts auf einer alten Bahntrasse, die früher die Golfer nach Dornoch brachte. Ich gehe mal davon aus, dass die jetzt alle mit dem Auto kommen. An einen Campingplatz auf dem Weg habe ich mir noch Trinkwasser für meine Übernachtung abgefüllt, weil es dort nichts gibt.
Die Stelle zum Zelten hatte ich mir vorher rausgesucht und laut Luftbild passte es auch. Nur vor Ort stellte sich heraus, dass es ein Schutzgebiet ist und der nicht geschützte Bereich durch Stacheldraht eingezäunt war. Super, dass man in Schottland das Recht hat, frei zu zelten, wenn es de facto nicht möglich ist. Glücklicherweise traf ich ein Ehepaar mit Hund, die ich fragte, wo man in der Nähe zelten kann und sie beschrieben mir einen Platz. Von dort aus konnte ich sogar Robben beobachten, die sich auf einer Sandbank sonnten. Es war wunderbar und irgendwie hat es sich so angefühlt, als ob ich jetzt richtig „in der Tour angekommen“ bin.

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