#02 - Evanton bis Dornoch Firth

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich noch von meinem Zeltnachbarn, der von Norden aus mit dem Fahrrad unterwegs war. Er wusste die Asphaltstraßen zu schätzen, die meinen Füßen heute den Rest gaben. Für Autofahrer und Radler ist das hier alles nett. Kleine Sträßchen mit Trockenmauern im Hinterland und schöne Weiden. Als Wanderer sieht man das aus einer anderen Perspektive. Manchmal muss man auch mal hinter einen Busch - aber wenn da überall Stacheldraht ist… Die ersten 17 km waren jedenfalls wieder Asphalt. Schöne Landschaft - ja. Nette Häuser - auch. Aber eben Asphalt. Ok. Es gab auch nette Gespräche mit Sonntagsausflüglern oder mit Leuten, die ihren schottischen Rasen pflegten. Das muntert einen bei so schwierigen Strecken immer wieder auf. 

Nach über der Hälfte der Tagesetappe bog der Weg ab und wurde zur Schotterpiste, die an einem Hof endete. Der Wegweiser war am Tor, aber das war verschlossen mit dem Hinweis, dass alles videoüberwacht wird. Zurück auf den Asphalt war keine Option, also kletterte ich übers Tor und an der anderen Seite des Hofes gleich noch einmal. Das macht einen schon manchmal ratlos. Will der Eigentümer den Weg nicht? Warum ist der dann an seinem Tor ausgeschildert? Muss man nicht verstehen. Auf jeden Fall kam jetzt das fußfreundlichste Stück Weg durch den Wald. Übrigens ist gerade Himbeerzeit… 

Irgendwann kam ich auch an diesem Tag auf dem Campingplatz an. Die Rezeption war unbesetzt, also rief ich die Telefonnummer an, die dort stand. Der Eigentümer hatte abends keine Zeit mehr vorbeizukommen, weil noch Party ist (Fußi-EM-Finale). Er sagte aber, wo ich mein Zelt aufbauen kann, direkt an der Hecke. Die Schadensbegutachtung der Füße war niederschmetternd. So sahen die noch nie aus. Da zeigte sich das fehlende Training vorher. Wegen eines Bänderanrisses war ich in letzter Zeit keine weiteren Strecken gelaufen. Ich legte mich in mein Zelt und auf einmal donnerte ein Kampfjet im Tiefflug über mich hinweg - oder so. War es natürlich nicht, aber direkt hinter der Hecke, wo mein Zelt stand, führt die Zugstrecke entlang. Bloß gut, dass der ÖPNV ähnlich schlecht ausgebaut zu sein scheint, wie bei uns und dieses Ereignis sich nicht so oft wiederholte.



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